Die Schibulskis

31 Mai 2017

Spielewüste Nienburg

Als bekennender Spielenarr muß man sich ja immer irgendwie den neuesten Kram besorgen. Im Internet bestelle ich allerdings - trotz besserer Preise - eher ungern. Da ich immer noch im Einzelhandel arbeite, würde ich mein Geld, trotz höherer Preise, auch wieder dort lassen.



Bisher shoppte ich daher bevorzugt in Wunstorf, Hannover und Minden, da es dort eben Fachhandelsgeschäfte gibt, die eine breite Palette an Neuheiten bereithalten und von denen ich eine
kompetente Beratung erwarten kann.

Nun war es an meinem freien Tag in der Woche mal an der Zeit, den heimischen Handel auf die Probe zu stellen. Zu Hilfe kam mir die vor kurzem veröffentliche Nominierungsliste für das Spiel des Jahres 2017. Diese unterteilt sich in Kenner-, Familien- und Kinderspiel. Die Spiele die dafür in Frage kommen sind oben im Bild zu erkennen.

Getestet habe ich Tweles Zwergenland, Spielwaren Fleischer und das Eisenbahneck  Alle drei sind Fachhandelsgeschäfte, wobei die ersten beiden im Einkaufsverbund "Vedes" eingebunden sind. Das Eisenbahneck ist ein "Idee&Spiel"-Geschäft. Leider verfügen diese Verbünde über ein sehr "gestrafftes Sortiment", aber noch war ich guter Dinge, denn immerhin sollte man da auch schonmal
was vom Spiel des Jahres gehört haben. Alle drei Geschäfte führen ein Mischsortiment aus diversem Spielzeug für innen und außen und zu jedem gehört auch eine Abteilung mit Brettspielen.

Der erste Eindruck

Tweles Zwergenland


Wenn man den Laden betritt, wird man den Eindruck nicht los, bei Toys 'R' Us gelandet zu sein. Das Geschäft erinnert an eine Art Lagerhalle. Unterteilt in Erdgeschoss und erster Stock findet man hier allerlei Spielzeug und auch Babykleidung. Die Ecke für Brettspiele lässt schon die Unlust des Einkaufs erkennen, sich hier großartig mit zu beschäftigen. Dementsprechend unordentlich sind die Regale eingeräumt. Über mir hörte ich ständig ein unangenehmes Summen, das wohl von einem Verteiler für die Leuchtstoffröhren kam. Liebes Twele, was ist denn nur aus auch geworden? Ich kenn euch und euren urigen Laden damals in der Langen Straße schon als kleines Kind und habe mich die Jahre dort auch immer sehr wohl gefühlt. Heute pflegt ihr vom Erscheinungsbild eher den Discounter-Ramsch-Look. Das könnnt ihr doch besser!

Spielwaren Fleischer

Mit gemischten Gefühlen fuhr ich dann weiter in die Celler Straße und wurde angenehm überrascht. Die Wand mit den Brettspielen war hier ordentlich sortiert und, im Gegensatz zu Twele, kann man hier aus einer breiten Palette aus Spielen wählen. Im Regal hatten die Betreiber ein Tablet aufgebaut, wo ein Promovideo vor sich hin lief - immerhin! Hier hat mir die Präsentation durchaus gut gefallen.

Eisenbahneck

Ein kleiner Laden in einer Nebenstrasse der Fußgängerzone in der guten Stube Nienburgs. Unterteilt in zwei größere Flächen findet man in einem Teil alles für den Modelleisenbahnfan und im anderen auch hier, wie bei den anderen auch, ein Mischsortiment aus diversem Spielzeug. Das Regal mit den Brettspielen nimmt hier knapp 3 Meter ein. Für die Gesamtgröße des Ladens überraschend groß.
Auch hier wird gut sortiert, alles ist sauber und aufgeräumt. Akzeptabel.


Der Test

Basierend auf den oben zu sehenden Spielen, wollte ich doch jetzt mal schauen, ob  ich hier im Nienburger Fachhandel fündig werden würde. "Terraforming Mars" und "Räuber der Nordsee" fallen hier doch schon ein wenig aus der Reihe, das diese von einem kleinen Verlag ausgeliefert und nur in kleinen Mengen produziert werden. Nichtsdestotrotz finden sich diese hier in der Liste.




Fazit

Wie man gut an der Tabelle oben sehen kann, ist das Ergebnis einigermaßen enttäuschend. Am besten hat noch Spielwaren Fleischer abgeschnitten - immerhin drei von neun Spielen waren lagermäßig da.

Dennoch zeigt die Auswertung, das Nienburg in Sachen Brettspiele im Dornröschenschlaf liegt. Es erstaunt sehr, sehen wir hier doch jährliche Wachstumsraten im zweistelligen Bereich.

 Auch die in Nienburg ansässigen Buchhandlungen bekleckern sich hier nicht mit Ruhm. In keiner der drei größeren (Thalia, Leseberg und Bücherbutze) findet man Brettspiele. Auch Nachfrage gab die Mitarbeiterin von Thalia an, das man nicht den Platz hätte, sie aber jederzeit Spiele bestellen könne und ich könnte sie dann ja im Geschäft abholen. Auf die Frage, ob die Rabatte im Internet denn auch im Laden gelten würde, kam ein eindeutiges "Nein". Dann macht es für mich auch keinen Sinn, die dort im Laden abzuholen wenn ich dann neben der Fahrerei noch den höheren Preis bezahle. Dann kann ich auch gleich im Internet bestellen.

Hier noch ein paar Denkanstösse:


  • schult eure Mitarbeiter
  • ein Tisch und vier bis fünf Stühle sind doch irgendwo noch aufzutreiben!?!
  • mistet euer Sortiment aus
  • packt auch mal ein paar Spiele zum Testen aus
  • holt euch externe Hilfe (gegen einen kleinen Obulus stelle ich mich gerne als Berater zur Verfügung ^^)
  • werdet euren Ruf als FACHhandelsgeschäft endlich gerecht. Schließlich seid ihr vom FACH!
  • SPIELT! SPIELT! SPIELT!


So wird mir in Zukunft auch nichts anderes übrigbleiben, als außerhalb des Landkreises meine Sachen zu holen. Schade drum.



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