Die Schibulskis

26 Januar 2014

wie mich ein Fernsehsender erst das Fürchten und dann das Schmunzeln lehrte

Die Rede ist vom Friesischen Rundfunk, ein privater Regionalsender der in Teilen Niedersachsens über Kabel zu empfangen ist. Bevor ich hier loslege, solltet ihr euch ein wenig Zeit nehmen und mal den Stream anschauen.

Ich begleite den Sender jetzt seit ca. vier Jahren immer mal wieder sporadisch. Wenn das restliche Fernsehprogramm mal wieder nix hergibt, dann darf es gerne auch mal FRF1 sein.
Eigentlich hatte ich vor, hier mal so richtig abzulästern - über die diletantischen Moderationen, die gequälten Witze und alles, was der kleine Sender aus Sande so katastrophal anders macht wie die Großen in der Branche.

Eigentlich...



Mittlerweile muß ich meine Meinung revidieren und ins Gegenteil umkehren. Denn wie es richtig schlecht geht, das zeigt radio-weser.tv.

Denn in den sieben Jahren, in denen es den Sender aus Ostfriesland gibt, hat sich doch einiges getan: Mittlerweile hat man ein festes Programm mit ansehnlichen kleinen Berichten aus den umliegenden Regionen.Nette Computeranimationen kündigen Werbeblöcke, das Wetter usw. an.

Bis hierhin hört sich das jetzt alles wenig spektakulär an. Aber das eigentliche Highlight ist der Besitzer des Senders: Karl-Heinz Sünkenberg. Meist gekleidet im schicken Anzug könnte man ihn auch 1:1  in einen Shoppingsender stellen, den von der Mundart her würde Karl-Heinz auch noch seine Oma an den Meistbietenden verkaufen.

Das er dort in Sande der große Zampano ist, merkt man vor allen Dingen in den Anmoderationen der Beiträge, wo er meistens eingerahmt zwischen zwei hübschen Frauen, ulkige Lebensweisheiten fies grinsend zum Besten gibt. Die Studioleiterin Kerstin Walczik, die das Glück hat, neben Karl-Heinz mitmoderieren zu dürfen, sitzt dabei öfters gequält lächelnd neben ihm, während Cheffe seine Anekdoten an den Mann bringt. Man merkt ihr an, das sie auch gerne mal möchte, aber dann doch  einen Rückzieher macht.

Grandios sind auch die Reportagen mit dem Niedersachsen, wo er z.B. auf einem Reiterhof schonmal mit seiner in die Jahre gekommenen aber dennoch attraktiven Interviewpartnerin flirtet und ihr spaßeshalber seine Handynummer zuruft, wobei sie sich bei ihm mit einem Küßchen bedankt. Da geht einem das Herz auf.

Auch sonst hält Karl-Heinz alle Fäden in die Hand. Bei einem Einspieler, wo die Belegschaft vorgestellt wird, stehen alle Mann auf einer (vermutlich voller Kuhfladen bestückten) Wiese während die Kamera langsam über die Leute schwebt. Er steht in der Mitte und hat irgendwas um den Hals hängen. Bei genauerem Hinsehen erpuppt sich das Ding als Fernbedienung für die Kameradrohne.

Ein paar Szenen später steht er auf einer Brücke mit seiner monströsen Fernbedienung und während der Copter langsam auf ihn zufliegt, huschen seine Blicke immer wieder ängstlich zwischen Steuerung und Kamera hin- und her. Göttlich!

Aber man wird ihm seine Marotten spätestens verzeihen, wenn man sich mal die Entstehung von FRF zu Gemüte führt und schaut, was dieser Kerl im Alleingang hochgezogen hat. Man kann Karl-Heinz Sünkenberg vieles vorwerfen, aber was er dort geleistet hat, ist bewundernswert.

Geschuldet ist das auch seinem nur 15 Mann starken Team, wobei viele von denen schon etliche Jahre mit dabei sind und für ihren Chef auch schonmal in die Bresche springen. Denn wer bei FRF arbeitet muß allem Anschein nach ein Allrounder sein. Ich hatte auf der Homepage einen Werbekundenbetreuer gesehen, der in der Sendung die Scheinwerfer des neuen Studios einrichtete. Eine Reihe davon fiel dann auch prompt einen Tag aus und so wurde kurzerhand im Halbdunkel moderiert. Alles schön locker in Ostfriesland!

Tja, was soll ich noch großartig sagen? Den kleinen Sender aus Norddeutschland habe ich mittlerweile ins Herz geschlossen. Da sitzen noch Menschen, die ihr Herzblut und viel viel Arbeit in das Programm einfliessen lassen. Über die Qualität der Beiträge lässt sich natürlich streiten aber man darf nie vergessen, das der FRF ein privater Sender ist und mit Witz und Charme wird vieles wieder ausgeglichen.

Auf die nächsten sieben Jahre, ihr Verrückten da in Sande! Chapeau, Friesicher Rundfunk!

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