Die Schibulskis

20 Juni 2013

Straßenbahn anyone?

Bremen. Stadt an der Weser. Becks. Die Stadtmusikanten. Hachez. Werder. Die Schlachte. Der Roland. Gefühlte 20.000 Straßenbahnen und Busse, die dich im geschätzten 10-Minuten-Takt überall in die Hansestadt bringen. Von Vegesack in die Neue Vahr. Von Huchting nach Hemelingen. Vom feudalen Schwachhausen ins sozialschwache Gröpelingen. 

 
Einer der vielen Bahnfahrenden bin ich. Ich brauche vom heimeligen Hastedt bis nach Bremen-Mitte, wo ich meinen einzelhandelskaufmännischen Angelegenheiten nachgehe, ca. 13 min. Wie jeden Morgen schlurfe ich zur Haltestelle, die praktischerweise nur 5 min zu Fuß von meiner Homebase weg ist und es ist (fast) so, wie es immer ist: Die ältere Frau, dessen Gesicht irgendwie wie eine Ziehharmonika aussieht, steht mit ihrer Zichte an der rechten Seite des Wartehäuschens und beachtet mich nicht weiter - gut so!
Web2.0-Typ in tadellos gebügelter Hose und seiner 1L-Thermoskanne (blöder Angeber, ich hätte niemals Zeit mir morgens noch Kaffee mitzunehmen) lehnt sich lässig an die Fensterscheibe des Friseurs. ´So ein Blödmann´, denke ich, ´ich dachte,es wäre klar, das das mein Platz ist, nachdem ich da verflucht nochmal jeden Tag an diesem Platz stehe.´ Man kann ja wohl verlangen, das die Leute auch mal mitdenken, bevor sie sich gedankenlos irgendwo hinstellen und den Tag anderer Leute versauen.
Die Bahn kommt und ich habe jetzt keine Zeit mehr, mich darüber aufzuregen. Es ist ungemein wichtig, das wenigstens mein Platz im hinteren Abteil frei ist. Rechte Seite, Fenstersitz, Fahrtrichtung vorne (ich kann nicht rückwärts fahren, da wird mir schlecht), Einzelplatz (ich hasse es, schon morgens neben Menschen zu sitzen, die eine Pulle Becks am Hals haben). Er ist frei und solche Tage sind idR ausgesprochen gute Tage.
Montags ist es immer sehr schön. Es ist so wunderbar ruhig. Jeder hält sich an das (unausgesprochene) Gesetz, das es während der Fahrt leise zu sein hat. Ich liebe Deutschland. Ich schaue mir meine Mitfahrer an. Während ein Drittel leise raschelnd den Weserkurier studiert, sitzt das andere Drittel kopfhörerbehängt etwas matschig in den Sitzen. Der Rest schaut sich draussen die kahlen Bäume und Geschäfte an, die vorbeihuschen und nur die liebliche Frauenstimme ist ab und an zu hören, die die Haltestellen ansagt: Bennigsenstrasse, Nienburger Strasse, Hamburger/Staderstrasse, Weserstadion.
Ab hier beginnen meistens die Probleme: Ganz in der Nähe ist eine Schule und die Bahn füllt sich rapide, je näher wir der Innenstadt kommen. Der Geräuschpegel erhöht sich automatisch: Bremen ist nunmal ein Dorf und man läuft sich alle gefühlte zwei Stunden über den Weg.
Störenfriede werden von bösen Blicken fixiert, niedergerungen und mundtot gemacht und nach wenigen Minuten ist die Lage wieder unter Kontrolle. Man könnte eine Stecknadel fallen hören. Ich steige in der Obernstrasse aus und denke: That´s life!
Vorsicht aber, wenn Werder Bremen spielt: Da gehe ich lieber zu Fuß!  

1 Kommentar:

  1. Viburnum12:52 vorm.

    Jaja Bremen is schön. Bin sogar heute an deiner Einmann-Zelle inner Obernstrasse vorbeigegangen, aber hast dir wohl wieder nen lauschiges, freies Wochenende gegönnt: Skandalös, aber die WuW-Tour wird uns ja noch notgedrungen zusammenführen, ebenso wie ich dich morgen notgedrungen deiner Füße verweise. Denn da spielt Werder Bremen.

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