Die Schibulskis

27 Januar 2013

Im Land der Pferde


Niedersachsen - Heimat. Land des schlechten Humors, der unendlich weiten Korn- und Rapsfelder, der wortkargsten und doch (auf ihre Weise) herzlichsten Menschen dieses Planeten und - tja - auch das Land der zweitdümmsten Spezies auf der Welt. Gemeinhin sagt man, das jeder dritte Arbeitsplatz in Niedersachsen direkt oder indirekt mit Pferden zu tun hat. Ich persönlich halte das ja eher für eine Düstere Legende, genauso wie der Irrglaube, das man NIE und UNTER KEINEN UMSTÄNDEN an Elektrozäune pinkeln sollte. Alles abergläubischer Mist, wenn man mich fragt.

Ok, ihr seht schon, mein Verhältnis zu diesen Vierbeinern ist, wie soll ich sagen, etwas angespannt. Das mag auch daran liegen, das mir mal so ein Gaul auf dem großen Zeh stand, dieser widerum nach einiger Zeit vom Nagelbett abstand. Eine unschöne Erfahrung. Nun, ich gebe Tieren und Frauen ja immer eine zweite Chance und diesesmal lies mich ein niedliches Shettlandpony sogar für ein paar Sekunden auf seinem Rücken sitzen. Die Geduld des Kleppers war allerdings nicht unendlich und nach ein paar Sekunden war es den Fremdkörper (mich, der nur milimeterweise am frischen Pferdedung vorbeisegelte) auch schon wieder los.

Ich hab´s da eher so mit Schweinen. Also, ich meine natürlich die Viecher mit dem kurzen Stummelschwanz und dem tollen Grunzen und so. Ich meiner jugendlichen Drangzeit habe ich die bei einem Freund, dessen Vater Landwirt war (das ist auf dem Dorf so üblich: Jeder, der was auf sich hält, hat nen Kumpel, dessen Vater Landwirt ist) zugeritten. So ein Schwein hat etliche Vorteile: Erdnah gebaut, behende Reisegeschwindigkeit und der Treibstoffverbrauch geht gegen null. Allerdings gab es da auch ein paar... äh... Komplikationen:
1) Schweine lassen sich keine SÄTTEL anlegen
2) Schweine laufen nie geradeaus sondern immer nur links herum
3) Große Leute müssen sich die Beine hinter die Ohren knoten um eine einigermaßen passable Reiterfahrung zu erreichen.

Alles in allem komme ich mit Schweinen sehr gut klar. Oh.... Ich schweife ab...

In meinem Leben gab es allerdings nicht nur negative Erfahrungen mit Pferden. Eine, an die ich gerne zurückdenke, begab sich in meinem letzten Urlaub vor so ca. 50 Jahren in der Dominikanischen Republik. Geschickterweise war ich dort mit meinem Bruder und geschickterweise hatten wir All-Inclusive gebucht, was ungeschickterweise dazu führt, das man den ganzen Tag im Pool rumpimmelt und Hot Dogs und Drinks im Minutentakt in sich einführt, was ungeschickterweise dazu führt, das sich Fett ansammelt.

Nun, mein Bruder war schon immer ein Draufgänger und fuhr dann eines Tages raus zum Hochseefischen. Ich, eher der schüchterne und vorsichtige Typ, wälzte mich am Strand rum und dachte so bei mir "Hey, du bist hier in einem fremdem Land und hast noch nicht mehr gesehen, als den Pool, den Strand, das Frühstücksbuffet, und den Typen, der uns jeden Morgen versuchte, sein Moped anzudrehen. Es muß was passieren" Und so ließ ich mich von einem netten jungen Mann mit vertrauenswürdig aussehenden Rastazöpfen zu einem Ausflug ins Landesinnere überreden. Mit PFERD! Fragt nicht, warum ausgerechnet das, ich hatte da mein Leben noch nicht so konsequent im Griff wie jetzt :D !

Am nächsten Tag gings los. Wir fuhren also raus in die Pampa zur besagten Pferdestation. Unser Guide, eine unglaublich freundliche und sympathische Engländerin, machte unseren Trupp, der aus Franzosen, Briten, Italienern, ein paar Amis und einem einzigen Weißwurstfresser bestand, mit den Pferden im allgemeinen und mit der Reittechnik im speziellen vertraut. Die Klepper, die sie scherzhaft Touristenpferde nannte, waren speziell darauf trainiert, vollkommene Versager wie uns durch die dominikanische Bergwelt zu tragen, und deshalb sollten wir im Westernstil (will heißen, die Zügel werden nur mit einer Hand gehalten, während man sich praktischerweise mit der anderen der Moskitos erwehren kann) reiten. Na super, unsereiner von Tuten und Blasen keine Ahnung und dann hier schon einen auf Dressurreiter machen! Das ging ja gut los.
Ich wurde also zu meinem Pferd geführt (eine gutmütige Stute, die Rosalinde oder so ähnlich hieß). Etwas unbeholfen kraxelte ich also auf den Pferderücken und da saß ich nun. Der Guide meinte, wir sollten pfeifen, rufen und dem Gaul die Sporen geben. Also, das ist ja nun wirklich kein Problem für einen echten Niedersachsen, sturmfest und erdverwachsen. Also pfiff ich, rief ich und drückte die Badelatschen in die Flanke des Tieres (hey, niemand hatte mich darauf hingewiesen, das es von Vorteil ist, bei einem Ritt in dichte Vegetation festes Schuhwerk dabeizuhaben!). Die Möhre bewegte sich keinen Zentimeter von der Stelle. Oh ja, Rosalinde und ich - wir waren echte Kumpels - eine Freundschaft fürs Leben!

Irgendwann ging es denn mit Hilfe der Gringos, die auf uns Touristen aufpassen sollten, hinein in den Urwald. Ich kann euch gar nicht beschreiben, was für ein geiles Gefühl es ist, obwohl es mindestens 40 Grad heiß und mein Arsch am Ende der Tour blau wie das Wasser der Karibik war, auf dem Rücken eines Pferdes durch diese grandiose Gegend zu reiten. Irgendwann mittags kamen wir dann in ein "Dorf" (nicht mehr als ein paar Hütten aus Wellblech) , wo Mama Sun schon Essen gekocht hatte. Eine halbe Stunde später saßen wir wieder auf den Pferden und nochmal eine Stunde später kamen wir mitten im Urwald an einen glasklaren Teich, wo wir dann nochmal baden durften. So muß sich Tarzan gefühlt haben. Am Ende des Tages haben sie dann noch Fotos von uns auf den Pferden gemacht, die man im Anschluß für 5 Dollar kaufen konnte. Leider lag mein restliches Geld am Grunde des vorhingenannten Tümpels, sonst hätte ich das Foto noch hier reingestellt.

Ich war für einen Tag ein gottverdammter Cowboy! Das hat mein Verhältnis zu den zweitdümmsten Geschöpfen auf Erden im Nachhinein positiv beeinflusst. Und jetzt gallopiere ich ins Bett. JJJIIIIIIIEEEHHHHAAAHHHH!!!



Kommentare:

  1. Viburnum10:58 vorm.

    Herrlich Uwe, wirklich schade, dass es kein Foto gibt :(

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  2. Nee Flori, das hättest du nicht wirklich sehen wollen :)

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  3. Viburnum8:54 nachm.

    Doch haben immernoch kein Bild des Monats ;)

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